Im Grünen Zoo Wuppertal wird am 12. September 2026 die neue Tieranlage „Rivers of Sulawesi“ eröffnet. Auf mehr als 3.300 Quadratmetern entstehen neue Bereiche für Sulawesi-Hirscheber, Asiatische Zwergotter und Bali-Stare. Die offizielle Eröffnung ist für 10 Uhr vorgesehen und schließt ein Bauprojekt ab, das bereits seit 2024 vorbereitet wurde. Für den Zoo ist die neue Anlage dabei nicht nur eine zusätzliche Besucherattraktion, sondern Bestandteil einer größeren Umgestaltung innerhalb des Tierparks.
Die Anlage befindet sich unterhalb des Alten Vogelhauses und soll mehrere Funktionen miteinander verbinden. Einerseits erhalten bedrohte Tierarten neue und stärker strukturierte Haltungsbereiche, andererseits sollen Besucher mehr über ihre Lebensräume und ihre Gefährdung erfahren. Gleichzeitig schafft der Umzug der Hirscheber Platz für weitere Veränderungen im Zoo, weshalb das Projekt seit Beginn unter dem Motto „Wir schaffen Platz für die Elefanten“ steht. Der Grüne Zoo knüpft damit an seine langfristige Entwicklung an, zu der auch Angebote für Familien und Besucher gehören, über die GERATI bereits im Zusammenhang mit dem Zoo Wuppertal berichtet hat.
Neue Lebensräume für Sulawesi-Hirscheber
Im Mittelpunkt der neuen Anlage stehen die Sulawesi-Hirscheber, deren Haltung in Wuppertal neu organisiert wird. Für die Tiere wurden Wasserläufe, Schlammsuhlen und verschiedene Rückzugsbereiche angelegt, die wichtige Elemente ihres natürlichen Verhaltens ermöglichen sollen. Auch ein Innenbereich gehört zur Anlage und kann teilweise von Besuchern eingesehen werden. Dadurch soll nicht nur die Haltung verbessert, sondern zugleich vermittelt werden, wie die Tiere leben und welche Anforderungen sie an ihre Umgebung stellen.
Sulawesi-Hirscheber gehören zu den bedrohten Tierarten Indonesiens und kommen ursprünglich auf der Insel Sulawesi sowie einigen vorgelagerten Inseln vor. Die Bestände in freier Wildbahn stehen durch Lebensraumverlust, Jagd und weitere Einflüsse unter Druck. Zusätzlich können Tierseuchen für kleine oder bereits geschwächte Populationen ein erhebliches Risiko darstellen. Zoologische Einrichtungen versuchen deshalb, durch koordinierte Haltung und Zucht stabile Reservepopulationen aufzubauen und gleichzeitig Wissen über Biologie, Fortpflanzung und Verhalten dieser Tiere zu erhalten.
Dass solche Programme tatsächlich Nachwuchs hervorbringen können, zeigt sich auch in anderen deutschen Zoos. Erst im August 2026 berichtete GERATI über Nachwuchs bei Sulawesi-Hirschebern im Kölner Zoo. Solche Zuchterfolge sind nicht nur für die jeweilige Einrichtung relevant, sondern können Bestandteil international koordinierter Erhaltungsprogramme sein. Gerade bei Tierarten, deren natürliche Populationen zurückgehen, kann die Haltung in Zoos deshalb eine zusätzliche Absicherung darstellen.
Zwergotter und Bali-Stare ergänzen die Anlage
Neben den Hirschebern gehören Asiatische Zwergotter zum Konzept von „Rivers of Sulawesi“. Bereits während der Planung war vorgesehen, die Hirscheber und Otter in miteinander verbundenen Außen- und Innenbereichen unterzubringen. In älteren Berichten wurden die Tiere teilweise als Kurzkrallenotter bezeichnet, während die aktuelle Eröffnungsankündigung ausdrücklich von Asiatischen Zwergottern spricht. Dabei handelt es sich nicht um zwei grundsätzlich unterschiedliche Haltungskonzepte, sondern um unterschiedliche deutsche Bezeichnungen, die im Zusammenhang mit dieser Otterart verwendet werden.
Auch für die Otter sollen Wasserflächen, strukturierte Aufenthaltsbereiche und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Solche Gestaltungselemente sind wichtig, weil die Tiere einen großen Teil ihres Verhaltens im und am Wasser zeigen und zugleich Bereiche benötigen, in denen sie sich Besuchern entziehen können. Der Zoo verweist bei dieser Art auf eine langjährige Haltungserfahrung. Damit fügt sich die Otterhaltung in das übergeordnete Konzept ein, verschiedene bedrohte Tierarten in einer thematisch zusammenhängenden Anlage zu präsentieren.
Ein weiterer Bestandteil sind die Bali-Stare, für die eine sogenannte Entdecker-Voliere eingerichtet wurde. Besucher sollen die auffälligen Vögel dort aus vergleichsweise geringer Entfernung beobachten können und gleichzeitig Informationen über ihre Bedrohung und ihren natürlichen Lebensraum erhalten. Der Bali-Star gehört zu den besonders stark gefährdeten Vogelarten und wird seit vielen Jahren in zoologischen Einrichtungen gezüchtet. Gerade bei dieser Art zeigen Erhaltungszuchtprogramme, dass Zoos auch außerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes einen Beitrag zum Erhalt genetisch stabiler Populationen leisten können.
Rund 200.000 Euro Baukosten
Die Baukosten für „Rivers of Sulawesi“ liegen nach Angaben des Grünen Zoos bei rund 200.000 Euro. Einen wesentlichen Teil der Finanzierung übernahm der Zoo-Verein Wuppertal über Patengelder. Bereits im März 2024 hatte der Verein das Projekt beschlossen und dabei das Motto „Wir schaffen Platz für die Elefanten“ verwendet. Damit war von Beginn an klar, dass die Anlage nicht isoliert betrachtet werden sollte, sondern Teil einer größeren räumlichen Neuordnung innerhalb des Zoos ist.
Der notwendige Umzug der Hirscheber spielt bei dieser Entwicklung eine zentrale Rolle. Durch die Verlagerung ihrer bisherigen Haltung werden Flächen frei, die zukünftig für andere Tierbereiche genutzt werden können. Die Investition verbessert daher nicht nur die Unterbringung der unmittelbar beteiligten Arten, sondern schafft gleichzeitig Voraussetzungen für weitere Projekte. Das erklärt auch, weshalb der Zoo die neue Anlage ausdrücklich mit der zukünftigen Entwicklung seiner Elefantenhaltung verbindet.
Die Finanzierung durch Patengelder zeigt zugleich, welche Bedeutung Fördervereine für zoologische Einrichtungen haben können. Viele Umbauten und Erweiterungen wären allein aus dem laufenden Budget eines Zoos deutlich schwieriger zu finanzieren. Patenschaften und Spenden ermöglichen es, zusätzliche Projekte umzusetzen oder geplante Modernisierungen schneller zu realisieren. Im Fall von „Rivers of Sulawesi“ flossen diese Mittel unmittelbar in eine neue Tieranlage, die sowohl der Haltung als auch der Besucherinformation dienen soll.
Artenschutz sichtbar vermitteln
Für Besucher dürfte die Anlage vor allem durch die Kombination unterschiedlicher Tierarten interessant sein. Statt eine einzelne Art isoliert zu präsentieren, werden Hirscheber, Otter und Bali-Stare innerhalb eines gemeinsamen thematischen Rahmens gezeigt. Wasserläufe, Suhlen, Volieren und Rückzugsbereiche sollen dabei nicht nur funktionale Bestandteile der Haltung sein, sondern gleichzeitig einen Eindruck von den Lebensräumen der Tiere vermitteln. Damit wird Artenschutz nicht nur auf Informationstafeln erklärt, sondern direkt mit der Tierbeobachtung verbunden.
Gerade weniger bekannte Arten profitieren von einer solchen Präsentation. Während Elefanten, Tiger oder Menschenaffen vielen Besuchern bereits bekannt sind, dürften Sulawesi-Hirscheber oder Bali-Stare einem großen Teil des Publikums deutlich weniger vertraut sein. Eine moderne Zooanlage kann deshalb Aufmerksamkeit auf Arten lenken, die außerhalb zoologischer Einrichtungen kaum öffentliche Wahrnehmung erhalten. Entscheidend ist dabei, dass die Haltung nicht nur attraktiv aussieht, sondern tatsächlich den biologischen und verhaltensbezogenen Bedürfnissen der Tiere Rechnung trägt.
„Rivers of Sulawesi“ verbindet damit Tierhaltung, Besucherbildung und langfristige Zooplanung. Die Tiere erhalten neue Bereiche, Besucher bekommen zusätzliche Einblicke in bedrohte Arten, und gleichzeitig werden an anderer Stelle Flächen für zukünftige Entwicklungen frei. Das Projekt zeigt damit beispielhaft, dass der Neubau einer Tieranlage mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen kann. Mit der Eröffnung am 12. September 2026 endet nun die Bauphase eines Projekts, dessen Auswirkungen innerhalb des Grünen Zoos noch über die eigentliche Anlage hinausreichen dürften.
Quellen